Terminkurven


Du kannst dir jetzt jeden Tag die Terminkurven anschauen. Die Terminkurven sind immer aktuell. Das Datum bezieht sich auf den Schlußkurs von gestern. Wenn du auf den einzelnen Markt klickst, kannst du dir die Historie anschauen.   Hier findest du ein Video zur Bedienung. Wenn die Terminkurven noch nicht aktuell sind, drücke bitte einmal STRG und F5 gleichzeitig.



Terminkurve



Günstigster Kontrakt: Aufpreis pro Monat/Haltedauer



Backwardation und Contango

 

Mithilfe der Terminkurven kannst du frühzeitig mögliche Trends erkennen. Wenn du Futures handeln möchtest, solltest du einige Besonderheiten berücksichtigen. Futures kannst du nicht, wie z.B. Aktien, einfach kaufen und so lange halten, wie du möchtest. Ein Futurekontrakt ist über eine bestimmte Laufzeit begrenzt. Wenn du länger, als der jeweilige Future läuft, investiert bleiben möchtest, musst du den Kontrakt rollen. Dies bedeutet nur, dass du den aktuellen Kontrakt glattstellen und in einen länger laufenden wechseln musst. Dieses Vorgehen nennt man rollen. Dabei treten zwei mögliche Fälle auf. Der länger laufende Kontrakt ist teurer als der aktuelle. Dies nennt man Contango und ist, wenn man das so sagen kann, die "Normalsituation" bei Rohstoffen. Den zweiten Fall nennt man Backwardation. Die länger laufenden Kontrakte sind günstiger als der aktuelle Kontrakt.

 

Futures sind standardisierte, börsengehandelte Verträge über ein bestimmtes Volumen des jeweiligen Wertes, die zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft erfüllt werden müssen. Dabei wird zwischen physischer Lieferung, bei dem der Wert geliefert werden muss, und Cash Settlement, dem Barausgleich, wo keine Lieferung stattfindet, unterschieden. Wer den Kontrakt nicht rollt, bevor der Future ausläuft, riskiert die Ware physisch zu kaufen. Keine Angst, die meisten Broker informieren rechtzeitig über das Rollen in einen länger laufenden Future und unterstützen keine physische Lieferung, sodass der Broker kurz vor Fälligkeit alle Positionen automatisch schließt. Nur sollte dir klar sein, dass zu diesem Zeitpunkt sehr wenig Volumen in diesem Kontrakt umgesetzt wird. Deine Kursausführung könnte daher deutlich schlechter sein.

 

Bei Futures fallen nur eine kleine Gebühr für das Eröffnen und Schließen einer Position an. Dennoch solltest du die folgenden zwei Situationen im Auge behalten, wenn du ein längerfristiges Investment tätigen möchtest. Wir gehen hier explizit auf Rohstoffe ein, da Futures auf z.B. Indizes meist nur einen geringen, fast schon zu vernachlässigenden Preisunterschied zu den länger laufenden Kontrakten aufweisen. Dies kommt daher, da hier keine Lagerkosten anfallen. Rohstoffe müssen gelagert werden. Dies ist oft einer der Hauptgründe für teurere Preise in der Zukunft. Wenn du einen Rohstoff gekauft hast, solltest du dir die Terminkurve anschauen. Dort wird dargestellt, zu welchem Preis die jeweiligen Kontrakte gehandelt werden. Das ist sehr wichtig, da es bei einem Contango zu einem sogenannten Rollverlust kommt wenn du den jeweiligen Markt gekauft hast. Dazu gebe ich dir ein Beispiel:

 

Kaffee Dezember 2016 notiert bei 1,4510

Kaffee März 2017 notiert bei 1,4800

Das ist ein Preisunterschied von 2,9 Cent.

Der Tickwert bei Kaffee beträgt 18,75$.

2,9 Cent entsprechen 58 Ticks.

 

Dies bedeutet, dass du einen Rollverlust von 1087,5$ hast, wenn du nur auf den nächst laufenden Kontrakt rollst. Du hast von den 2,9 Cent Preisanstieg keinen Gewinn erzielen können, obwohl der Kurs in die von dir prognostizierte Richtung läuft.  Aber keine Angst du hast auch keinen Verlust realisiert. Der Preis notiert einfach etwas höher. Diesen Preisanstieg hätten wir aber gerne als Kursgewinn realisiert. Daher geht dem Trade etwas Potential für einen möglichen Preisanstieg verloren.

 

Jetzt kann und wird es ab und zu passieren, dass sich diese Terminstruktur umkehrt. Länger laufende Kontrakte sind nun günstiger. Dies wird Backwardation genannt. Wenn du gekauft hast und den Kontrakt rollst, hast du nun die Differenz als Rollgewinn. Wobei wir hier natürlich nicht von einem Gewinn in dem Sinne sprechen können, da du zu dem Zeitpunkt des Rollens noch nichts gewonnen hast. Wenn der Future, in den du gerollt hast, denselben Preis des vorherigen Futures erreicht, machst du einen Gewinn, ohne dass es zu einer Preisveränderung kam.

 

Wie kann es dazu kommen, wenn doch die Lagerkosten sich nicht nennenswert verändern? Eine Backwardation ist meist durch ein plötzlich auftretendes Angebotsdefizit begründet. Unternehmen, die mit dem jeweiligen Rohstoff handeln, brauchen diesen Rohstoff. Starbucks braucht Kaffee und ihnen ist, in dieser Situation, völlig egal, zu welchem Preis sie diesen bekommen, da sie sonst ihre Läden nicht weiter betreiben können. Andere Unternehmen oder Großlandwirtschaftsbetriebe müssen Verträge erfüllen und es drohen ihnen große Strafen, wenn sie dies nicht können. Sie müssen sich also z.B. bei Ernteausfällen die Differenz über die Terminmärkte beschaffen. Diese Situation führt dazu, dass die Kommerziellen (Unternehmen, die mit dem Rohstoff aktiv wirtschaften. Starbucks, Landwirte etc.) zu jedem Preis kaufen.

 

Das Gerede, Spekulanten treiben die Preise in die Höhe, stimmt definitiv nicht. Wenn ein Rohstoff knapp wird, ist es ganz logisch, dass der Preis steigt. Das ist das Modell von Angebot und Nachfrage. Spekulanten haben damit nichts zu tun. Es ist sogar genau das Gegenteil der Fall. Nehmen wir einmal an, es wären nur die Kommerziellen am Markt aktiv. Dann wäre das Volumen so gering, dass wenige mit wenig Volumen den Markt extrem in die ein oder andere Richtung bewegen könnten. Kommerzielle Händler möchten sich absichern und sind nur deswegen an der Börse aktiv. Spekulanten nehmen dieses Risiko auf, möchten dafür aber natürlich auch entlohnt werden. Ohne Spekulanten, die bewusst ins Risiko gehen, würde das Konzept Börse also nicht funktionieren. Das versteht leider nicht jeder. Wenn eine Backwardation auftritt und andere Faktoren, wie COT-Daten, Saisonalität, Open Interest und die Nachrichtenlage, ebenfalls interessant sind, dann solltest du dir diesen Rohstoff genauer anschauen.

 

Wir stellen dir die Terminkurven nun täglich zur Verfügung. So bekommst du einen guten Überblick und kannst selbst schauen und testen, was bei einer Backwardation passiert. Und noch wichtiger ist es, wann es passiert. Die Information, dass etwas steigt, bringt dir nichts, ohne den Zeitpunkt dafür zu kennen. Desweiteren solltest du auch kalkulieren, wie viel ein Rohstoff zwischenzeitlich gegen dich laufen kann. Schaue dir regelmäßig die Terminkurven der einzelnen Futures an. Sie geben Hinweise auf bald auftretende Trends. Bei Erdgas gab es zuletzt eine Backwardation, was sehr ungewöhnlich für diese Jahreszeit ist. Normalerweise haben die Winterkontrakte von Energierohstoffen einen deutlichen Aufschlag zu den Folgekontrakten. Daraufhin folgte ein starker Anstieg von mehr als 30% (siehe Bilder unten).